Der Aldi PC – immer noch ein Discount-PC?


17. November 2014 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Allgemein


Aldi Angebote (Quelle: Bigstock-ID-51780943-by-monicaodo)

Der Verkauf von ausgewählten Computern und Technikprodukten im berühmten Discounter ALDI gehört inzwischen zum alltäglichen Geschäft. In fröhlicher Regelmäßigkeit veröffentlicht die Handelskette Fertig-PCs, Tablets, Smartphones, Fernseher und passendes Zubehör. Dabei machen sich die Angebote schnell rar und sind schon nach kurzer Zeit ausverkauft. Da fällt es schwer, sich rechtzeitig über die Ware zu informieren. Früher galten Aldi-Aktionen immer als potentielles Schnäppchen und zogen scharenweise Kundschaft an. Doch wie steht es eigentlich um das Preis-Leistungs-Verhältnis? Macht der Aldi PC wirklich was her für den gebotenen Kaufpreis? Wie verhält es sich mit den Produkten des Discounters im Vergleich zu Waren aus den großen Fachmärkten?

Der Aldi PC unter der Lupe

Das Angebot variiert zwischen den getrennt geführten Ketten Aldi Nord und Aldi Süd. In vielen Fällen setzt Aldi auf Kooperation mit dem Elektronikhersteller Medion AG. Gibt es etwas im PC-Bereich zu kaufen, prangt häufig deren Logo auf den Produkten. Keine Ausnahme stellt hier der Aldi PC dar. Der Medion Akoya P5250 D ist seit Ende September im Angebot von Aldi-Nord erhältlich. Das Medion Akoya S6214T (MD 99440) Hybrid-Notebook gibt es bei beiden Discountern ab Anfang November. Für beide Geräte wird eine Zahlung von 499 € fällig.

Medion AKOYA P5250 D – gut abgestimmtes Hardware-Paket mit Stolpersteinen

Etwas aus der Mode gekommen, aber noch lange nicht obsolet: der Tower-PC. In Klavierlackoptik präsentiert sich der Aldi PC und wirbt mit guter Performance bei Anwendung und Spielen.
Als CPU werkelt im Gehäuse des Aldi PC ein Intel Core i5-4460 Quadcore-Prozessor mit 3,2 GHz Basistakt. Keine schlechte Wahl, denn dieses Rechenzentrum bietet auch aktuell noch eine gute Mittelklassenleistung. Anwendungen für Office und Internetbetrieb stemmt diese CPU mühelos, auch für modernste Spiele reicht die gebotene CPU-Leistung aus. Als Flaschenhals erweist sich für Gamer allerdings der verbaute Grafikchip Nvidia GTX 750 mit 1 GB DDR5 RAM. Ältere Spiele können damit flüssig in Full-HD-Auflösung gespielt werden. Bei neuen, grafisch anspruchsvolleren Titeln aus dem Jahre 2014 bleibt dem Chip aber definitiv die Puste weg. Einschränkungen in Details oder einbrechende FPS-Werte unterhalb der magischen 30er-Grenze sind die unabwendbare Konsequenz. Knackpunkt an der Geschichte: Medion verbaut leider ein Netzteil ohne 6-Pol/8-Pol-Stecker. Wer eine schnellere Grafikkarte nachrüstet, muss hier auch gleich die Stromversorgung erneuern. Ansonsten gehören zur Ausstattung auch noch 4 GB Arbeitsspeicher, eine Festplatte mit 1 TB Kapazität, CD/DVD-Brenner, Maus und Tastatur. Vorinstalliert ist das Betriebssystem Windows 8.1. Einige Software-Beigaben wie Cyberlink Power2Go und PowerDVD runden das Paket ab, stellen aber keinen herausragend eigenständigen Kaufwert dar. Ist der Aldi PC vergriffen, bietet Medion mit dem AKOYA P5261 E ein fast identisches Model mit jedoch 8 GB Arbeitsspeicher für 599 € an.

Weitere Merkmale:

  • WLAN 802.11n
  • 1× USB 3.0, 5× USB 2.0, HDMI
  • Sound Onboard
  • Gigabit-LAN
  • Kartenleser

Alternativen

Eine Alternative aus Fachmärkten ist der MICROSTAR Professional I31000 für 499 €. Der Prozessor ist schwächer, da nur ein Intel Core i3-4150 Dreikernprozessor mit 3,5 GHz zum Einsatz kommt. Dafür steckt ebenfalls eine Nvidia GTX 750 im System. Leider fehlt ein eigenes Betriebssystem, nur Besitzer einer Lizenz von Windows 7/8 dürfen kostenlos auf Windows 8.1 updaten. Andere Ausstattungsmerkmale der Hauptplatine und Arbeitsspeicher ähneln denen des Medion AKOYA P5250 D. Hersteller Asus bietet mit dem Asus M31AD-DE020S SILBER im gleichen Preisbereich Windows 8.1 inklusivenur das keine separate Grafikkarte verbaut wurde. Der integrierte Chip auf Intels CPU liefert nur sehr schwache Leistung und kann auch bei älteren Spielen schwächeln. Für Videos und Office-Anwendungen sollte die Performance aber absolut ausreichend sein.

Fazit

Komplett-PCs sind ohne Erfahrung schwer einzuschätzen. Die 499 € entsprechen grob berechnet dem Wert der Einzelkomponenten und Software-Pakete. Es gibt kaum Spielraum für eine Preissenkung. Auch die Konkurrenz tut sich mit besseren Angeboten schwer. Nicht selten sind diese sogar spürbar teurer als der Aldi PC. Schade, da das Netzteil ein kleines Ärgernis darstellt. Es verteuert ein nachträgliches Upgrade unnötig. Trotzdem: Bei diesem Preis kann man nichts falsch machen, die Komponenten sind sinnvoll zusammengestellt und arbeiten effizient. In diesem Sinne hält Medion sogar das Versprechen, für diese Preisklasse eine gute Spielleistung zu liefern. Natürlich ist diese Behauptung in Relation des Gesamtwertes des Aldi PCs zu betrachten, denn High-End sieht natürlich anders aus.

Medion Akoya S6214T Hybrid-Notebook – Hardware-Schwergewicht

Seit Ende Oktober ist das Hybrid-Notebook Medion Akoya S6214T im Angebot. Eigentlich ist dieser Aldi PC gar kein klassischer Computer, sondern ein Tablet mit Haltevorrichtung und Tastatur. Bekannt sind diese Geräte unter der Bezeichnung Convertible Notebook. Das Tablet hat mit seinem 15,6-Zoll-Display (1920×1080 Pixel) wirklich große Ausmaße. Als Bildschirm kommt ein IPS-Pannel zum Einsatz, was einen verbesserten Blickwinkel garantiert. Hinzu kommt die Dockingstation als Verbindungsstück zur Bluetooth-Tastatur. Darin sind noch eine 500-GB-Festplatte, zwei Akkus und zwei USB-2.0-Anschlüsse untergebracht. Darüber hinaus beherbergt das Tablet noch eine 64-GB-SDD. Der Quadcore-Prozessor N3540 (4x 2,16 GHz / 2,66 GHz Burst) basiert auf Intels sparsamer Atom-Technologie. Dessen Rechenkraft ist trotz vier vorhandener Kerne eher bescheiden. Ein leistungsstarker Grafikchip fehlt, die integrierte Lösung von Intels CPU muss dessen Aufgabe übernehmen. WLAN, USB-3.0-Schnittstelle, HDMI, Webcam und Mikrophon runden die gute Ausstattung des Gerätes ab. Insgesamt kommen 4 GB RAM als Arbeitsspeicher zum Einsatz. Pralle 3,3 Kilogramm brachte der Vorgänger mitsamt Ausrüstung auf die Waage – zu viel für einen komfortablen Transport. Etwas weniger Speck hat das aktuelle Akoya S6214T mit 2,8 Kilogramm auf den Rippen. Konkurrenzprodukte geben sich jedoch gerne mit der Hälfte des Gewichtes zufrieden. Windows 8.1 ist als Betriebssystem bereits installiert.

Alternativen

Asus hat mit dem Asus Transformer T100TA-DK007P ein gutes Ersatzgerät im Angebot. Dennoch bleibt die Ausstattung etwas zurück, nur 2 GB Arbeitsspeicher befinden sich unter der Haube. Das Gewicht ist dafür deutlich reduziert und das Design liegt besser in der Hand. Das geht leider auch auf Kosten der reduzierten Bildschirmauflösung von nur 1378×768 Pixel.

Fazit

Preislich ist das Medion Akoya S6214T Hybrid-Notebook fast unschlagbar in seiner Ausstattung. Gegen reinrassige Notebooks oder Tablets kann es sich jedoch nicht deutlich genug durchsetzen. Als kompakte Alternative zu einem Büro-PC ist es dennoch eine attraktive Lösung. Das riesige Display mit scharfer Full-HD-Auflösung bereitet Freude und gleichzeitig Schmerzen. Lange lässt sich das entkoppelte, schwere Tablet jedenfalls nicht in der Hand halten. Wer etwas Kleineres und Praktischeres bevorzugt, findet auch bei der Konkurrenz interessante Angebote.

Weitere Multimedia-Angebot vom Discounter

 

  • Smartphone: Längst haben auch andere Produkte rund um das Thema „Multimedia“ ihren Einzug bei Aldi erhalten. Für sagenhafte 129 € gibt es das Nokia Lumia 625 (Aldi Süd). Windows 8.1 Phone und ein 4,7-Zoll-Display mit 480 x 800 Pixel gehören dazu. Damit übertrumpft Aldi den Preis vieler anderer Anbieter, die für das Smartphone noch bis zu 170 € verlangen. Kunden von Aldi Nord gehen leer aus, bekommen im Gegenzug jedoch das Medion LIFE E4502 (MD 98907) mit Android 4.4 für 99 € serviert. Das Display mit 4,5 Zoll kann 845 × 480 Pixel darstellen. Zusätzlich spendiert Medion dem Gerät eine microSDHC-Speicherkarte mit 8 GB. Als Alternative käme das ebenfalls günstige Huawei Ascend Y550 für 119 € in Frage.
  • Fernseher: Eine echter Kampfpreis-Ansage scheint Medion mit seinem Full-HD-Fernserher Life P15180 aufzufahren. Lediglich 249 € verlangt der Hersteller für den TV mit 32-Zoll-Display. Per LAN oder WLAN geht es ins Internet über das integrierte Mediaportal. Ordentlicher Empfang sichert der Triple-Tuner für DVB-C/T/S2. Einzig und allein ein 3D-Modus fehlt dem Gerät. Ein Model mit gleichem Funktionsumfang bietet beispielsweise der Hisense 32K160 für ebenfalls 250 €. Einziger Nachteil: Die Auflösung ist auf 1280 x 720 Pixel (HD-Ready) beschränkt.
  • Tablet: Im Innern des Tablets Medion Lifetab S7852 verrichtet ein Quadcore-Prozessor mit 1,6 Ghz seinen Dienst. Hinzu kommt 1 GB Arbeitsspeicher und 15 GB interner, erweiterbarer Flash-Speicher. Vorinstalliert ist Android 4.4, für Reisen ins Internet ist das verbaute WLAN-Modul vorgesehen. Die Auflösung des 7,5 Zoll großen IPS-Pannels ist mit 1024×768 nicht mehr zeitgemäß. Der Kostenfaktor beläuft sich auf 129 €. Samsung hat mit dem Galaxy Tab 3 8.0 für 130 € eine vergleichbar günstige Option im Angebot.

Aldi spricht preisbewusstes Klientel an

Nicht immer sind Aldi-Aktionen konkurrenzlos günstige Schnäppchen. Falsch machen lässt sich mit der angebotenen Technik nichts. Die technischen Merkmale aller Geräte bewegen sich auf einem akzeptablen bis guten Niveau. Gleichwertige Produkte sind in der Aldi-Preisklasse schwer zu finden, obwohl auch einige Billiganbieter ihr Stelldichein in großen Fachmärkten feiern. Nun ist klar: Die Ware kostet wenig, doch taugt sie auch was? Hohe Ansprüche sind bei Aldi fehl am Platz. Die Produkte visieren technisch unerfahrene Personen mit eingeschränktem Budget an, die ein zweckmäßiges Gerät suchen. Im Dschungel der Technik ist ein Normalverbraucher in Fachmärkten oft überfordert und mit deutlich teureren Preisen konfrontiert. Damit hat der Discounter einen Nerv getroffen und eine neue Zielgruppen für sich erschlossen. Eine gutes Gesamtpaket ist die Aldi/Medion-Technik garantiert.

 

Bildquelle: Bigstock-ID: 51780943 by monicaodo