Facebook at Work – mehr Daten für den Konzern


25. November 2014 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Trends



Wir sind gläsern. Wir sind durchschaubar. Wir sind Facebook. Ob wir im Internet surfen oder mit dem Smartphone Daten in die große weite Welt schicken – immer werden Informationen über uns gesammelt. Trotzdem stellen unzählige Menschen Tag und Nacht freiwillig private Daten in sozialen Netzwerken zur Verfügung. Facebook ist mit 1,3 Milliarden Nutzern weltweit das größte Online-Netzwerk. Was harmlos begann, hat sich wie eine Krake über den ganzen Erdball ausgebreitet. Wer nicht dazugehört, wird bestaunt wie ein Exot. „Wie, Du bist nicht bei Facebook?“ 

Facebook strebt nach Höherem

Facebook kostet nichts, doch kostenlos ist es auch nicht. Die Mitglieder zahlen mit ihren Daten, die Facebook an seine Werbekunden verkauft. Auf diese Weise ist es möglich, dass jedes Facebook-Mitglied passgenaue Werbung präsentiert bekommt. Vor allem seit dem NSA-Skandal hinterlässt dieses Geschäft bei vielen Facebook-Freunden ein mulmiges Gefühl. Aber irgendwie muss das Unternehmen schließlich überleben. Und das ist dem Konzernchef Mark Zuckerberg bisher auch ziemlich gut geglückt. Doch genug ist nicht genug. Und deshalb strebt der Facebook-Gründer nach Höherem.

Zuckerbergs neue Zielgruppe

Zuckerberg hat sich eine neue Zielgruppe ausgesucht: die Unternehmen. Sollte ihm der Einzug in dieses Geschäftsfeld gelingen, dürfte ihn dies um viele Milliarden reicher machen. Seine Idee geht so: Neben dem schon bekannten, privaten Facebook möchte er ein Facebook für den Berufsalltag anbieten. Der Dienst soll die interne Kommunikation in den Unternehmen verbessern. In der Tat sind in vielen Firmen die Informationswege inzwischen veraltet und ineffektiv geworden. Die Beschäftigten drohen in E-Mails zu ersticken, die einst als Nonplusultra moderner Kommunikation galten. Word-Dokumente werden umständlich als Anhang hin und her geschickt. Viel Arbeitszeit vergeht mit der Suche nach den richtigen Informationen.

FB@Work

Das könnte sich bald ändern, wenn es nach Zuckerberg ginge. Ein „Facebook at Work“ (FB@Work) – wie sich das Projekt nennt – soll den Austausch und die Zusammenarbeit im Betrieb erleichtern. Kollegen können zwanglos miteinander chatten, sich beruflich vernetzen und Informationen mit Geschäftspartnern austauschen. Auch die Arbeit an gemeinsamen Dokumenten würde durch diesen Dienst der Online-Plattform erheblich vereinfacht. Die Unternehmens-Version soll sich äußerlich kaum von der privaten Facebook-Seite unterscheiden. Die Nutzer können aber ihr berufliches und privates Profil trennen.

Angst vor Sicherheitslücken

Ob sich die Unternehmen hierzulande für das Projekt „Facebook at work“ begeistern können, sei dahingestellt. Facebook genießt nicht unbedingt den besten Ruf. Viele Unternehmer haben den Zugang zu dem sozialen Netzwerk für ihre Mitarbeiter gesperrt, weil die Beschäftigten lieber facebooken anstatt sich effektiv auf Ihre Arbeit zu konzentrieren. Doch das ist nicht der einzige Grund für die Sperre. Denn seit den Enthüllungen über die Machenschaften der NSA geht in deutschen Firmen die Angst vor dem Datenklau um. Sie befürchten Wirtschaftsspionage. Und nun sollen sie wichtige Dokumente und die interne Firmenkorrespondenz auf den Servern von Facebook speichern? Wo sie den neugierigen Blicken der amerikanischen Behörden ausgeliefert sind? Ein absurder Gedanke, auch wenn Facebook nach Bekanntwerden des Überwachungsskandals eine Verschlüsselung eingeführt hat. Mit „Facebook at Work“ könnte der US-Konzern noch mehr wertvolle Profile seiner Nutzer erstellen und diese für gezielte Werbezwecke verwenden. Um das Vertrauen der Unternehmer zu gewinnen, müsste sich Mark Zuckerberg einiges einfallen lassen. Dass der Online-Dienst den Firmen – zumindest anfangs – kostenlos angeboten werden soll, reicht als Köder sicherlich nicht aus.

Die Konkurrenz ist groß

Mit seiner Idee von einem sozialen Netzwerk für Unternehmen hat der Facebook-Konzern das Rad nicht neu erfunden. Das Thema wird in der Businesswelt schon länger diskutiert und teilweise auch praktiziert. Mit der Realisierung des Projekts würde sich Facebook bei der Konkurrenz ordentlich in die Nesseln setzen. Zum einen könnten sich Business-Netzwerke wie LinkedIn oder Xing von Zuckerbergs Plänen provoziert fühlen. Ein anderer Rivale ist Microsoft. Er arbeitet schon seit längerem daran, Firmen von „Lync“ und „Yammer“ zu überzeugen. Diese Kommunikations- und Vernetzungsportale werden bereits von einigen Unternehmen genutzt. Auch Google stellt eine Online-Plattform zur Verfügung. Doch der große Knalleffekt blieb bislang aus. In der Praxis werden die Word-Dokumente weiterhin als E-Mail Anhang verschickt oder gar ausgedruckt weitergereicht.

Das könnte mit „Facebook at Work“ allerdings anders werden. Denn vielen Beschäftigten ist das Netzwerk ja bereits aus ihrem Privatleben vertraut und ans Herz gewachsen. Außenstehenden drängt sich mitunter gar der Eindruck auf, dass es sich bei dem einen oder anderen Nutzer um eine regelrechte Facebook-Sucht handeln könnte. Eine Facebook-Plattform fürs Büro könnte sich daher besser durchsetzen als vergleichbare Lösungen.

Nur ein Gerücht?

All das bleibt abzuwarten. Ohnehin gibt sich der Facebook-Konzern zu den Plänen bedeckt. Die Informationen stammen von anonymen Mitarbeitern des US-Konzerns. Die „Financial Times“ hatte über die Pläne berichtet. Ein Sprecher von Facebook bestritt die Verlautbarungen. Das Facebook-Unternehmen äußere sich nicht zu Gerüchten und Spekulationen, erklärte er.

Doch die Erfahrung lehrt, dass an jedem Gerücht mindestens ein Körnchen Wahrheit klebt. Ob Facebook es schafft, die Menschheit nicht nur privat, sondern auch beruflich miteinander zu vernetzen, bleibt abzuwarten. In den letzten Jahren machte Mark Zuckerberg schon häufiger mit großen Ideen auf sich aufmerksam, aus denen dann allerdings doch nichts wurde.

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