Microsoft und der modulare All-in-one-PC – Der Grundstein ist gelegt


6. April 2016 Facebook Twitter LinkedIn Google+ News,Trends,Wissenswertes


Desktop nach dem Lego-Prinzip: Microsoft patentiert modulares PC-Konzept

Microsoft und der modulare All-in-one-PC – Der Grundstein ist gelegt

Im Februar 2016 wurde öffentlich, dass der amerikanische Computergigant Microsoft bereits im Juli des vergangenen Jahres beim zuständigen US-Patentamt einen Antrag für ein Patent auf ein modular aufgebautes Computersystem eingereicht hat. Mit diesem modularen All-in-one-PC soll auch die breite Masse der Endbenutzer ihre Produkte ganz individuell zusammenstellen können. Ebenso wird den Kunden im Fall des Aufrüstungsbedarf ihres Altgeräts ermöglicht, nur noch bestimmte Komponenten auszutauschen oder aufzurüsten, anstatt gleich ein ganz neues Komplettsystem kaufen zu müssen.

Den Anstoß für diese Entwicklung gab die hauseigene Surface Reihe, alleń voran das Surface Tab. Die Geräte verzeichnen in der jüngeren Vergangenheit eine steigende Nachfrage, was dazu geführt hat, dass auch Konkurrenten wie Google, Apple und Samsung ähnliche Produkte entwickelten und in ihr Sortiment aufnahmen, um Marktanteile abzuschöpfen. Es überrascht daher nicht, dass einer der Co-Autoren des Patents gleichzeitig als leitender Entwickler im Bereich Industrie Design für Microsoft an der Entstehung des Surface Tab beteiligt war.

Vom geschlossenen System zur offenen Modulbauweise – Wohin geht die Reise, Microsoft?

Die Motivation für die Patentierung auf Seiten von Microsoft liegt einerseits im Wunsch, die zunehmende Beliebtheit von Produkten aus der Surface-Reihe und darauf aufbauende zukünftige Technologien gegen allzu offensichtliche Abkupferungsversuche seiner Konkurrenten zu bewahren.

Zum schützenswerten Gut dürfte dabei allem voran das Innovationspotenzial um Surface-Chefentwickler Panos Panay und sein Team gehören. Schon bei der Vorstellung des Surface Book und des neuen Surface Pro 4 im Oktober 2015 sprühte der enthusiastische Ingenieur und Industrie-Designer nur so vor Tatendrang und ließ beim Publikum den nicht unbegründeten Verdacht aufkommen, dass schon bald weitere neue Produkte, die aus modularen Komponenten bestehen, auf den Markt drängen werden.

Der US Konzern richtet sein Augenmerk schon länger auf die Entwicklung und Optimierung modularer Hardwaresysteme und All-in-one-PC’s. So überraschte das Unternehmen erst vor kurzem mit einem, gemeinsam mit der Firma Scuf Computing entwickelten, Xbox-One Controller, der modular aufgebaut ist und nach Kundenwünschen individuell modifiziert werden kann.

Der erste Schritt ist immer der Schwierigste – Microsoft steht noch immer am Beginn der modularen Reise

Andere Partnerschaften in diesem Segment verliefen für den US-Riesen weniger erfolgreich. Auf der weltgrößten elektronischen Konsumgütermesse im Jahr 2014 beteiligte man sich noch aktiv an einer Kampagne des auf die Produktion von Gaming-PC’s spezialisierten Herstellers Razer.Razer verkündete damals, kurz vor der Fertigstellung eines modularen All-in-one-PC zu stehen, den man auf den Projektnamen „Christine“ taufte. Die Erwartungen der Verbraucher, und nicht zuletzt auch die von Microsoft selbst, wurden jedoch herb enttäuscht, da Christine auch bis zum heutigen Zeitpunkt noch keine Serienreife erlangt hat.

Besonders bitter dürfte für Microsoft in diesem Zusammenhang auch die Produktvorstellung des Konkurrenten Acer gewesen sein. Dieser präsentierte im September 2015 mit dem Revo Build Mini PC ein kostengünstiges Modell eines modularen All-in-one-PC.

In einem kleineren Maßstab forscht und entwickelt der Internetriese Google seit einiger Zeit ebenfalls auf diesem Gebiet. Mit dem nicht mehr nur Brancheninsidern bekannten Smartphone-Project „Ara“ gelang es dem Suchmaschinenriesen bereits, einen prominenten Fußabdruck im Bereich der modularen Konsumgüter zu hinterlassen.

Ein All-In-One-PC vorgestellt von Intel 2012

Ein All-In-One-PC vorgestellt von Intel 2012

Das Rennen ist noch lange nicht entschieden – Wie Microsoft sich trotzdem schon einen Vorsprung verschaffen möchte

Der dem Patentantrag beiliegende technische Entwurf lässt darauf schließen, dass es ein Anliegen von Microsoft ist, die Ansprüche der Kunden in puncto Aussehen, Gewicht und Bedienbarkeit von modularen All-in-one-PCs auf ein neues Niveau zu heben.

So ist im Vergleich zum bereits marktfähigen Modell vom Hersteller Acer im Microsoft-Konzept ein Displayelement in die Basishardwarekomponente integriert. Diese Basiseinheit kann, je nach gewünschter Ausstattung, herausnehmbare Batteriekomponenten, Prozessoren, Grafikkarten, Lautsprecher oder einen WLAN-Empfänger beherbergen und lässt im Vergleich zum Tower-PC oder Laptop keine Wünsche offen. Selbst die neueste Technologie aus dem Feld der Gestenerkennung oder Holographieprojektion kann mithilfe entsprechender Sensoren integriert werden.
Microsoft arbeitet zusätzlich auch an einer neuen Befestigungslösung, um den An- und Abbau der modularen Komponenten möglichst intuitiv zu gestalten. Diese werden einfach per Magnethalterung an die Basiseinheit gekoppelt und ermöglichen dem Kunden, schnell und unkompliziert auf geänderte Hardwareanforderungen zu reagieren.

Obwohl all diese detaillierten Informationen bereits an die Öffentlichkeit gedrungen sind, lässt sich daraus nicht zweifelsfrei schließen, dass Microsoft auch tatsächlich an einer serienreifen Lösung des All-in-one-PC aus eigenem Hause arbeitet. Es wird spannend zu beobachten, wer in Zukunft das System perfektionieren wird. Auf jeden Fall scheint man bei Microsoft das Potenzial dieses Zweigs erkannt zu haben. Der Patentantrag zeigt nun dass man auch willens ist, dieses auszuschöpfen.

Quelle: Bigstock-ID-60941885-by-Wolterk
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