Ersetzt das Smartphone bald die Spiegelreflexkamera?


7. Oktober 2016 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Trends


Spiegelreflex vs. Handykamera

David gegen Goliath: Ersetzt das Smartphone bald die Spiegelreflexkamera?

Klein, smart und handlich gegen klobig, teuer und schwer – wie steht es um die fotografischen Fähigkeiten aktueller Smartphone Kameras angesichts richtiger Spiegelreflexkameras? Fakt ist: Die verbaute Technik wird immer besser, schließlich muss potenzielle Kundschaft zum Erwerb der neusten Errungenschaften bewogen werden. Eine vorzeigbare Kameraleistung gehört bei hochwertigen Smartphones definitiv zu den Zugpferden der Marketingabteilung. Innovationen und Ausbauoptionen der letzten Jahre erweitern die einst sehr stark eingeschränkten Möglichkeiten des Smart-Universums. Eine Momentaufnahme gibt Einblick über den aktuellen Stand.

Ausstattungsdschungel erschwert die Einschätzung

Konkrete Standards bei Smartphone Kameras bezüglich der Sensorgröße gibt es nicht. Hier erwartet unerfahrene Nutzer ein Dickicht aus Eigenentwicklungen und schwer durchschaubaren Angaben.

Wichtig für die Bildqualität ist nicht die reine Anzahl der Megapixel, die gerne von den Anbietern auf den Verkaufspackungen angepriesen werden.

Typ und Größe des lichtempfindlichen Kamerasensors geben den Ausschlag über das Rauschverhalten. Selbst bei Tageslicht machen einige Modelle bei dunkleren Schattentönen bereits schlapp. An ansehnliche Aufnahmen im Dämmerlicht oder gar bei Nacht ist da natürlich nicht zu denken. Allen Unkenrufen zum Trotz: Kontinuierliche Weiterentwicklung der Sensortechnik verspricht eine ansteigende Bildqualität.

Samsung setzt zum Beispiel seit dem Samsung Galaxy S5 auf den sogenannten Isocell-Sensor, der einzelne Unterteilungen auf dem Sensor abschirmt. So soll Störfeuer durch Farbüberlagerungen eingedämmt werden. In der Praxis ist zwar ein leichter Unterschied auszumachen, der Sprung hin zum größeren Zoll-Format lässt sich damit aber keineswegs kompensieren. Auch LED-Blitzlichter können nur im Nahbereich Schwächen im Low-Light-Bereich ausgleichen.

Smartphone Kameras sind in aller Regel für rein spontane Schnappschüsse ausgelegt und konkurrieren qualitativ mit günstigeren Bridgekameras und deren 1/2,3-Zoll-Sensoren. Fehlender, optischer Zoom und eher bescheidene Zuschneidefähigkeiten schränken die Möglichkeiten bisweilen noch recht stark ein. Auch echte Makrofotografie bleibt derzeit ein Fachgebiet reinrassiger Kameras mit darauf ausgelegten Objektiven. Immerhin: Blendenwerte von f/1.9 lassen bei einigen Modellen mehr Licht auf den Sensor fallen und zeigen sich etwas angenehmer in der Handhabung bei weniger optimalen Lichtbedingungen. Zudem finden immer öfter auch optische Bildstabilisatoren Einzug in den technischen Unterbau. Dies hilft enorm, Verwackler bei kurzen Belichtungszeiten zu vermeiden.

Einfach nur Knipsen oder doch etwas anderes?

Die Smartphone-Produzenten haben in den vergangenen Generationen immer mehr aufgeholt. Manuelle Kontrolle wie bei den großen Vorbildern ist nun via Apps möglich (Wie zum Beispiel beim neuen OnePlus 3). Empfindlichkeit des Sensors, Belichtungszeit oder gar Blendenwerte lassen sich konfigurieren. Zeitauslöser, voller Eingriff auf den Weißabgleich sowie automatische Verbesserung von üblichen Aufnahmefehlern durch das Objektiv sind schon lange mit an Bord. Sogar die Aufnahme von RAW-Daten hält aktuell bei hochwertigen Modellen unter anderem auch mit Android-Support immer mehr Einzug.

Nachbearbeitung von Schnappschüssen am PC oder sogar auf mobilen Ablegern von Bildbearbeitungssoftware wie Adobes Lightroom werden damit gewiss attraktiver. Dennoch wirken diese Entwicklungsschritte im Vergleich zu den offenbar übermächtigen DSLRs eher wie eine kleine Evolution statt einer Revolution. Der Sturz des Königs liegt also noch in weiter Ferne. Selbst die besten Smartphone Kameras haben derzeit einen schweren Stand gegenüber den deutlich größeren APS-C-Sensoren.

Rauschverhalten, Darstellung von Farben und das Potenzial für ein äußerst weich freigestellten Hintergrund (Bokeh) sind hier nach wie vor um Klassen höher. Nicht zuletzt ist die Abbildungsleistung des Objektivs für die tatsächliche Auflösung ein KO-Kriterium. Ein 20-Megapixel-Sensor bringt wenig, wenn das Objektiv einen derartigen Detailgrad nicht zu unterstützen vermag. Nicht umsonst belastet hochwertiges Glas der DSLR-Riege spürbar die Haushaltskasse und kostet alleinstehend nicht selten mehr als der neuste Wurf der Smartphone-Luxusklasse.

Günstige Wechselobjektive für Smartphones versuchen die fehlende Flexibilität zumindest teilweise zu beseitigen. Allerdings liegen diese in ihrer Abbildungsqualität weit hinter den großen Brüdern zurück. Selbst ein exzellentes Objektiv könnte den angeborenen Nachteil durch die kompakten Sensoren im Low-Light allerdings schlicht nicht ausgleichen.

Ebenfalls oft völlig außer Acht gelassen: Zu welchem Zweck werden Bilder überhaupt angefertigt? Für reine Social-Media-Alben ohne Nachbearbeitung und nachträgliches Vergrößern einzelner Bildabschnitte genügt in vielen Fällen bereits die anständige Abbildungsqualität von Smartphone Kameras der Oberklasse. Speziell für den Ausdruck der neusten Fototrophäen sowie bei der Optimierung durch spezielle Software haben DSLRs deutlich die Nase vorn. Großformatige Präsentation, schwache Lichtverhältnisse, variabler Zoombereich und 100 %-Ausschnitte von kleinen Bildelementen stellen die kompakten Mobilgeräte immer noch vor große Hürden.

Smarte Digitalkameras und Objektivkameras als Alternative

Ein deutlicher Qualitätsfaktor bei einer Spiegelreflex bilden die Objektive

Ein deutlicher Qualitätsfaktor bei einer Spiegelreflex bilden die Objektive


 

Ähnliche wie Bridge-Kameras ein natürliches Bindeglied zwischen Kompaktkamera und DSLR darstellen, gibt es ein ähnliches Äquivalent für das normale Smartphone. Panasonic vertreibt ein Modell mit einem 1-Zoll-Sensor und stellt somit viele handelsübliche Konkurrenten fotografisch deutlich in den Schatten. Prinzipiell bleibt die Funktionalität eines Smartphones mit Betriebssystem (Android) beim Panasonic Lumix DMC-CM1 vollständig erhalten.

Der Fokus liegt hier direkt auf einer sichtbar verbesserten Bildqualität. So entstehen noch bei Dämmerlicht brauchbare Bilder in Verbindung mit niedrigen ISO-Stufen. Allerdings fällt das normalerweise flache Profil von Mobiltelefonen dieser Technik zum Opfer. Die Brennweite 28 mm bei einer Blende von f/2.8 lässt zudem keinen Spielraum für Zooms zu.

Sony bietet selbst dagegen mit dem QX10-Objektiv ein 10-fach-Zoom als Aufsteckvariante für Smartphones an. Waschechte APS-C-Technik gibt es mit er QX1-Variante. Diese fungiert als Adapter und erlaubt den Zugriff auf den Sony-Objektiv-Fuhrpark des APS-C-Universums. Prinzipiell handelt es sich hierbei bereits um eine eigenständige Kamera – allerdings ohne Display und eigenständige Ansteuerungsmöglichkeit. Zu diesem Zweck dient dann wahlweise ein Tablet oder Smartphone. Per Touch lassen sich grundlegende Einstellungen vornehmen und Fokuspunkte setzen. Aufgrund mangelnder Bedienelemente an Mobile-Devices und der verbesserungsfähigen Sony-App geht die Bedienung bei Weitem nicht so leicht und fehlerfrei von Hand wie bei vollwertigen DSLR-Bodys. Immerhin muss für diese Kombination nicht zwangsläufig ein sündhaft teures Top-Modell von Apple, Samsung, Sony oder anderen Herstellern herhalten.

Das Smartphone stellt quasi nur noch als den Bildschirm als Eingabemedium zur Verfügung. Alleine im aufgesteckten Objektiv befindet sich die relevante Fototechnik und setzt daher ganz eigene Maßstäbe völlig losgelöst vom genutzten Smartphone-Typ.

Fazit

Im handlichen Format sind Smartphone Kameras einfach unschlagbar und immer in der Jackentasche auf Reisen mit dabei. Fair betrachtet treten die praktischen Allrounder jedoch in keiner Weise mit DSLRs in Konkurrenz. Wer eine schwere und große Spiegelreflexkamera mit sich führt, hat seinen Fotoausflug vermutlich bereits exakt geplant. Hier treffen zwei völlig unterschiedliche Szenarien aufeinander.

Völlig unerwartete Motive im Alltag oder beim Besuch von Freunden landen oft auf der zu diesem Zeitpunkt einzig verfügbaren Kamera, dem Smartphone. DSLR-Nutzer wissen dagegen um den qualitativen Spielrahmen ihrer Systeme zu schätzen und auszureizen. Bei großformatigen Präsentationen oder gar dem Ausdruck eines schmucken Bildes in Hochglanz für Flur und Wohnzimmer machen die APS-C-Formate in DSLRs eine deutlich bessere Figur.

Zudem kommt das hohe Maß an Flexibilität durch den Objektivwechsel und die schnellere sowie praxistauglichere Handhabung. Die aktuellen Neuerungen der Smartphones bleiben jedoch auf jeden Fall begrüßenswert. Größere Lichtstärken und Sensoren, die leider momentan nur absoluten Top-Modellen vorbehalten bleiben, können unter richtigen Bedingungen tatsächlich teils fantastische Aufnahmen aus Motiven herauskitzeln. Wer ernsthafte Fotografie betreiben möchte, Sportszenen, Wildtieraufnahmen, Nachtleben, Mikrokosmos oder allgemein künstlerische Akzente ins Auge fasst, kommt an DSLRs weiterhin kaum vorbei. An deren Funktionalität reichen die smarten Flachmänner für die Hosentasche selbst mit pfiffigen Upgrades noch lange nicht heran.

Bildquelle: