Wie Material Design das Internet verändert


2. Februar 2017 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Trends,Wissenswertes


Material Design by google

Was ist Material Design?

Es gibt kaum noch Menschen, die Google nicht kennen. Und sehr viele kennen auch den von Google entwickelten persönlichen Assistenten für Android „Google Now“. Und wer mit Google Now schon in Kontakt war oder es sogar auf dem Smartphone als persönlichen Assistenten verwendet, hat dieses Design ständig vor Augen. Denn Google Now ist die erste Anwendung, bei der die Designsprache Material Design eingesetzt wurde. Nach und nach findet auch bei allen anderen Anwendungen von Google ein Relaunch statt. So werden bald alle internen Apps und Web-Dienste von Google in diesem Design erscheinen.
Dazu wurde konsequenterweise inzwischen ein Styleguide von Google zur Verfügung gestellt, damit auch externe Entwickler von Apps und Web-Anwendungen in dieser Designsprache programmieren können.
Designsprachen sind wichtig, um dem Corporate-Gedanken von Firmen zu folgen, der nicht nur eine einheitliche Gestaltung in Form, Farbe und Typografie beinhaltet, sondern auch ein gemeinsames Lebensgefühl von Anbieter und Kunde oder Anwender herstellen soll. Dies ist auch ein Grund, warum Material Design ständig weiterentwickelt und die Benutzerfreundlichkeit fortlaufend verbessert werden soll. Material Design ist also mehr als ein in Stein gemeißeltes Corporate Design. Es ist das Ergebnis einer dynamischen Gemeinschaft von Anwendern und Entwicklern.

Wie hat sich Material Design entwickelt?

Vor dem Material Design war das Flat Design den Anwendern von Google-Applikationen bekannt. Einem „flachen“ zweidimensionalen Design mit klaren Linien, Begrenzungen und vorbestimmten Flächen. Beim Flat Design ging es noch vorwiegend um eine ästhetische Reduzierung. Ähnlich der Bauhaus Architektur zu Beginn des zwanzigsten Jahrhundert, deren oberste Designrichtlinie war, dass als schön empfunden würde, was praktisch sei.
Auch wenn dieses Design stilistisch dem Flat Design folgt, bestehen doch wesentliche Unterschiede durch eine weitere Optimierung der Benutzerfreundlichkeit und durch die Einhaltung physikalischer Gesetze. Denn gerade die Zweidimensionalität hat sich durch das Weglassen einer dritten Dimension als noch nicht optimal erwiesen, da unsere Welt nicht nur aus zwei Dimensionen besteht. Oder vereinfacht ausgedrückt: Zweidimensionalität ist irritierend.

Wichtig war den Entwicklern der neuen Designsprache jedoch, dass auch die dritte Ebene streng den physikalischen Gesetzen folgen musste. Im Material Design wird nun viel mit Animationen, bewegten Übergängen sowie mit Lichteinfall und Schatten gearbeitet, die dem Anwender Zusammenhänge besser visualisieren und dabei die Erfahrungen des täglichen Lebens nicht außer Acht lassen. Animationen, Schatten und Licht sind hier niemals Selbstzweck, sondern orientieren sich an der Erfahrungswelt der Anwender.
Tatsächlich haben die Entwickler des Material Design oft mit kleinen Modellen aus Papier und Pappe gearbeitet, um sich selbst Bewegungen und Zusammenhänge zu veranschaulichen.

Welche Gestaltungsregeln sind zu beachten?

Die Vorgaben für Entwickler und Designer im Material Design sind umfangreich und dabei auch immer sehr konkret. Für detaillierte Beschreibungen hat Google einen offiziellen Styleguide entwickelt, in dem alle Regeln aufgeführt sind. Wichtig bei diesem Design ist eine Kontinuität nicht allein in der zweidimensionalen Gestaltung, sondern auch in den Effekten und den Animationen. So sollen alle Aktionen in direkten Abhängigkeiten zum Kontext stehen. Verspieltheit nur wegen eines Spaßfaktors gibt es nicht, worunter aber weder die Ästhetik noch die Freude an der Anwendung leiden. Grundlage des Material Design sind physikalische Gesetze, die nicht verändert werden dürfen. Alle Elemente müssen funktionieren wie Objekte in einem Raum, deren Lage auf allen Ebenen und Achsen eines Koordinatensystems verändert werden können.
Wie schon erwähnt, haben die Entwickler der Designsprache hierzu Prototypen aus echtem Papier verwendet.
Sämtliche verwendeten Elemente besitzen hierbei eine identische Tiefe und müssen auf der Z-Achse, also in der Tiefe, verschoben, um den jeweiligen Inhalt hervorzuholen. Hierbei werden Licht und Schatten benutzt, um einen dreidimensionalen Effekt zu erzeugen. Es sind bei dem Einsatz von Schatten exakte Regeln zu befolgen. Diese Elemente können auch ihre Größe und Form verändern, dürfen jedoch nicht geknickt oder gedreht werden.
Auch UI-Elemente wie Icons, Buttons oder Formularfelder, unterliegen klaren Designvorschriften und es gibt sogar Vorgaben für Effekte und Farbkonzepte. Auf Schaltflächen wird zum Beispiel oft der sogenannte Ripple-Effekt angewendet. Auch für diesen gibt es exakte Regeln.
Programmierern und Designern, die Webanwendungen in Material Design entwickeln möchten, stehen einige sinnvolle Frameworks zur Verfügung. Dies sind unter anderem Material Design Lite, Angular Material und Materialize.

Das aktuelle Material Design

Zur Zeit arbeitet Google an der grafischen AdWords-Oberfläche. Nach und nach soll die Werbeplattform ganz auf Material Design umgestellt werden. Des ist eine rein grafische Anpassung. Der Funktionsumfang wird dadurch nicht betroffen. Jedoch könnten einige Aspekte anders als gewohnt dargestellt werden. Zu den Änderungen gehört ein Dashboard mit der Funktion, die einzelnen Ebenen übersichtlich darzustellen. Die Tableiste wird nicht mehr oben am Bildschirmrand angezeigt werden, sondern links.
Selbstverständlich bedeuten diese grafische Veränderungen der Google-Oberflächen für viele Werbetreibende ein Redesign ihrer eigenen Maßnahmen. Hierfür lässt Google allen Betroffenen jedoch Zeit bis zum Ende des Jahres 2017. Wer vorab schon einen Blick auf das Redesign werfen will, sollte sich das Merchant Center anschauen. Dies wurde bereits bearbeitet und ist seit September 2016 aktiv.

Was bringt uns Material Design für die Zukunft?

Darüber welche Veränderungen Material Design in der Zukunft bringen wird, können nur Prognosen erstellt werden.

Eine These lautet, dass sich dadurch mehr und mehr der PC aus dem Webdesign entfernt und im Gegenzug Smartphone und Tablet in den Fokus der Designer gerückt werden.

Das bedeutet, dass Webseiten und Applikationen für Smartphones und Tablets immer übersichtlicher werden, auf PC-Monitoren aber ungewöhnlich schlicht wirken können.
Eine weitere Prognose ist, dass die Diskussion über das Hamburger-Menü (die drei Striche am Kopf der Webseiten) erneut aufflammt. Viele Kritiker bemängeln an diesem Menü die rückläufige Zahl der Interaktionen, da viele User dieses Menü schlicht ignorieren. Stattdessen werden wieder kräftige Farben, Kontraste, klare Flächen und Schattenwürfe in das Design einziehen.

Insgesamt wird das Internet wohl dadurch profitieren, dass Anwender immer natürlicher und somit selbstverständlicher mit Anwendungen interagieren. Ein Bereich, der von der Naturalisierung des Webdesigns geprägt sein könnte, ist der des Scrollens, denn der übliche Top-To Button ist weniger natürlich, als ein Wischen über den Bildschirm. Hier werden im Webdesign für den PC noch Neuentwicklungen erscheinen.

Internetseiten und Apps werden immer mehr durch ein klares Design geprägt sein. Während jedoch der Trend immer mehr in Richtung Mobile geht, besteht parallel dazu die Welt des PC weiter, wo die Verwendung von Maus und Tastatur in nächster Zukunft Vorrang behalten wird. Hier wird noch mit einigen Widersprüchen aufgeräumt werden müssen.

 

Bildquelle: Bigstock